„Ist es auch Sterbebegleitung, wenn ich Angehörige
begleite?“ Diese provokante Frage stellte Ulrike Schmid den ehrenamtlichen
Hospizhelferinnen aus Heilbronn gleich
zu Beginn ihres Fortbildungsseminars im kath. Gemeindehauses St. Clara in
Flein. Die renommierte
Fachkrankenschwester in Palliativ-Care aus Bietigheim wollte damit von
Anfang an den Blickwinkel in der Sterbegleitung weiten. Denn wer nur den
Sterbenden allein sehe, vernachlässige die Angehörigen, wobei unter Angehörigen
auch Freunde und Nachbarn zu verstehen seien.
Jeder
sterbende Mensch lebe in einem System von Beziehungen, das in der
Sterbebegleitung eine große Rolle spiele. Denn der bevorstehende Tod ist nicht
nur ein großer Umbruch, eine Krise für den Sterbenden, sondern für alle
Betroffenen aus dem unmittelbaren Umfeld des Sterbenden. Dies müsse in der
Begleitung unbedingt beachtet werden, um mögliche Ressourcen zu erschließen,
noch mehr jedoch die oft großen Nöte und Sorgen der pflegenden Angehörigen zu erkennen.
Häufig pflegen die Angehörigen bis über den Rand des Tragbaren hinaus. Hier
können die Hospizhelferinnen für vielerlei Entlastungen sorgen, da sie nicht
unter einem pflegerischen Kosten-Nutzeneffekt handeln müssen, jedoch unter
Schweigepflicht stehen. Sie werden so zu wichtigen Ansprechpartnerinnen für
Sterbende und Angehörige gleichermaßen. Sie schaffen Freiräume zur Erholung für
die pflegenden Angehörigen, hören ihre Ängste und Befürchtungen und können den
sterbenden Menschen praktisch bis zuletzt motivieren, selbst aktiv zu bleiben.
Frau Schmid: „Es gibt keinen Menschen, der nichts mehr kann.“ Aus langjähriger
Hospizerfahrung, davon 6 Jahre im renommierten St. Christopher-Hospiz in
London, kann sie von vielen Beispielen berichten, wie sterbende Menschen
aktiviert werden können. So mache es einen Unterschied, ob einem
sterbenskranken Menschen das Gesicht einfach abgewaschen wird oder ob er mit
Unterstützung einer Helferin den Waschlappen selbst führen kann.
In
angeregten Diskussionen konnten sich die ehrenamtlichen Helferinnen an diesem
Vormittag über viele intensive und positive Erfahrungen austauschen.
Gleichzeitig wurde aber betont, dass die Schwelle, in einer solchen Lebenskrise
sich Hilfe von außen zu holen, immer noch sehr groß ist. Scheinbar sei es in
unser Gesellschaft immer noch eine hohe Hürde, sich selber einzugestehen und
dem eigenen Umfeld zu vermitteln, dass man auf Hilfe angewiesen sei.
Diakon
Klaus-Dieter Pape
Mitglied
im Vorstand des Hospizdienstes, Heilbronn