Ich brauche Hilfe? Nein, danke!
Das diakonisch-caritative Handeln
ist eines der „Markenzeichen“ der christlichen Kirchen. Unabhängig von
Glauben- und Lebensweisen gibt es ein breit- und weitgefächertes Netz von
Hilfsangeboten in der ganzen Welt. Da gibt es die Profis von der CARITAS und
der DIAKONIE u.v.a.m. Und da sind die unzähligen ehrenamtlichen Helferinnen
und Helfer, die meistens wirkungsvolle Hilfsnetze in den Kirchengemeinden
vor Ort geknüpft haben.
Klar ist, dass niemals die ganze menschliche Not so
gelindert werden kann, dass man sagen könnte: „Ihr werdet nicht mehr
gebraucht!.“ Im Gegenteil scheint es so zu sein, dass praktisch jeden Tag ein
neuer Brandherd hinzu kommt, den es barmherzig zu löschen gilt.
Paradoxerweise gibt es jedoch eine Anzahl von Menschen in
unserer Gesellschaft, die – obwohl sie dies dringend nötig hätten – Hilfe
gerade nicht annehmen können, obwohl Menschen mit dem nötigen Wissen
ausgestattet und bereit sind, ihnen Hilfe anzubieten.
Dieser Umstand hat viele Ursachen.
Eine wichtige ist die Unkenntnis über
der Angebote von Hilfsmöglichkeiten gerade vor Ort. Selbstverständlich spielen
auch mögliche Kosten eine Rolle, die aber im ehrenamtlichen Bereich nicht
anfallen.
Ich beobachte jedoch auch, dass es nicht wenigen Menschen
schwer fällt, in Notlagen andere Menschen einfach um Hilfe zu bitten, obwohl
sie absolut am Rande ihrer Möglichkeiten und Kräfte sind, und manchmal darüber
hinaus. Ist das ein Ergebnis des gern zitierten Satzes: „Jeder ist seines
Glückes Schmied“?
Worte solcher Art machen Druck und
lähmen die Kraft, den ersten Schritt über die Hemmschwelle wagen, die Scham
heißt. Solche Worte und das dahinter stehende Denken, können Menschen machtlos
und ohnmächtig werden lassen, so dass sie sich der Not ausgeliefert fühlen.
Wenn ich alles alleine schultern
muss, weil ich für alles allein verantwortlich bin, dann komme ich ganz schnell
an meine Grenzen; an die Grenzen der Kraft und an die Grenzen der Vorstellungsmöglichkeit,
dass es vielleicht noch einen anderen Weg geben könnte.
Bedeutet es denn wirklich Schwäche
zu zeigen, wenn man sich eingesteht: „Ich kann nicht mehr, ich suche mir
Hilfe“?
„Sich-helfen-lassen“ ist von jeher
ein ungeliebter menschlicher Umstand. Wenn Kinder die ersten Schritte in die
Welt tun, dann wird die sich entgegenstreckende erwachsene Hand verschmäht:
„Kann alleine!“ Und das muss ja auch so sein.
Aber dann kommt der Moment, wenn
man unendlich froh ist, aufgefangen und ein Stück weit getragen zu werden. Das
geht Kindern so, aber Jedem anderen auch.
So kenne ich z. B. etliche bewegte
Geschichten von Menschen, die froh waren, als sie beim Sterben ihrer Lieben die
Hospizbegleiterinnen zu Hause an ihrer Seite wussten. Frauen, die ihnen halfen
zu verstehen, was geschieht und die liebevoll für manche wertvolle Entlastung
sorgten.
Sich einzugestehen, dass man Hilfe
braucht, ist nicht einfach und oft genug ein längerer Prozess. Aber es ist der
erste Schritt für die Bestätigung des schönen alten Satzes: „Geteiltes Leid,
ist halbes Leid.“
Diakon Klaus-Dieter Pape
10/6