Unbestreitbar
besteht ein Zusammenhang zwischen unserem inneren Sein und unserem äußerlichem
Erscheinen und Verhalten. Dies können wir spüren, wenn wir uns zu Menschen
hingezogen fühlen, die das zu leben versuchen, was sie im Inneren als
Grundausrichtung und Fundament erkannt haben. Modern ausgedrückt: authentisch
lebende Menschen werden meistens als glaubwürdige Menschen empfunden. Man
glaubt zu wissen, woran man bei ihnen ist, sie strahlen etwas Positives und
Anziehendes, etwas „Stimmiges“ aus.
Selbstverständlich
ist das ein Idealbild, dem sich die Realität nur mehr oder weniger annähern
kann. Denn ausnahmslos jeder Mensch kocht auch nur mit „Wasser“. Und nicht
selten werden Personen überhöht, weil man nur auf ihren äußeren Schein schaut,
von dem man vielleicht für sich selbst sogar etwas abfallenden Glanz erhofft.
Doch
dreht man die Sache um, wird deutlich, dass das Verhältnis von innerer Verfasstheit
und äußerem Verhalten wohl die zentrale Rolle spielt, will man ein einigermaßen
zufriedenes und seelisch gesundes Leben führen.
Ich
bin davon überzeugt, dass Menschen, die ständig gegen ihre innere Grundstimmung,
vielleicht sogar mit großem Aufwand, Macht und wachsendem Hass gegen diese
ankämpfen, auf die Dauer nicht gesund leben können und schon gar nicht
zufrieden mit sich und anderen umgehen können. Um nicht sofort missverstanden
zu werden: es geht nicht um das Ausleben von inneren Neigungen auf Kosten
Anderer, ganz und gar nicht! Die „goldene Regel“ gilt gerade hier: Behandle
andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst
Es
geht darum, sich selbst anzunehmen, wie man ist, ohne sich selbst ständig
überhöhen oder erniedrigen zu müssen. Das ist der gesunde Umgang mit mir
selbst, die Balance, die mich in der Spur hält.
Wenn
all dies aus dem Gleichgewicht gerät und in die eine oder andere Schieflage
kommt, entsteht eine Dynamik, an deren Ende meistens Neid, Unzufriedenheit,
Eifersucht und vieles anderes mehr die Oberhand gewinnen. Es kommt dann
manchmal zu unerträglichen Folgen, die im Inneren wüten und toben und mit der
Zeit nach außen dringen, ohne dass die betroffene Person dies so richtig an
sich wahrnehmen muss. Andere ziehen sich von solchen Menschen langsam aber
sicher zurück. Aber besteht die Möglichkeit den Schalter umzulegen?
Schauen
wir als Christen wie Jesus mit seinen Mitmenschen umgegangen ist, sehen wir,
dass er erst mal die Menschen genommen hat, wie sie sind. Er setzte keine
Bedingungen, sondern nahm wahr, was ist.
Das
wäre ein erster, wichtiger Schritt, mich so zu nehmen wie ich bin. Und dann
lohnt sich der Versuch, gerade die guten und liebenswerten Seiten an mir zu
entdecken und sie zu wertschätzen. Leider ist dies überhaupt nicht
selbstverständlich. Wir sind uns gegenüber meistens unbarmherziger als Anderen
gegenüber.
Wäre es
nicht ein lohnenswertes Ziel mit mir selbst versöhnter umzugehen? Es würde mich
befreien von so vielem Unnötigen, es würde ungeahnte Energien freisetzen. Ich
würde mich offener und liebenswerter machen. Der Heilige Geist könnte es sich
in mir bequem machen. Und was das für Folgen haben kann, das kann sich jeder
recht leicht vorstellen.
Diakon Klaus-Dieter Pape 5/2010