Es scheint immer noch
eine notwendige Eigenschaft zu sein, sich als Politiker kompromisslos zu
zeigen und zu handeln. „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich“,
dieser Satz aus Zeiten und Orten unseliger Alleinherrschaften und Diktaturen
ist durch die französische Aufklärung von 1789 oder der Erklärung der
UN-Menschenrechtsquarta von 1948 selbst in demokratisch verfassten Staaten
nicht ausgerottet worden.
Was die Weltgemeinschaft
seit Monaten in der Auseinandersetzung um einen möglichen Irakkrieg erlebt,
lässt erahnen, dass Politik zwar demokratisch legitimiert, aber trotzdem diesem
längst überkommenen „Gut-Böse“-Schema verhaftet sein kann. Die derzeit einzige
Weltmacht USA zeigt sich von ihrer offiziellen Seite scheinbar völlig
kompromisslos gegenüber einem Feind, den sie selbst als Teil einer „Achse des
Bösen“ stigmatisiert hat.
Vergessen scheint die
eigene massive technische und militärische Unterstützung und Aufrüstung des
jetzigen Irak-Regimes über viele Jahre hinweg, als der jetzt bekämpfte
Diktator sein eigenes Volk schon längst brutal und blutig knechtete - ohne
Aufschrei der westlichen Welt. Verdrängt scheint die einstige Unterstützung
und Ausbildung des nun am meisten gesuchten Mannes der Welt: Osama Bin Laden.
Mit fast schon blasphemischer Arroganz wird versucht, diese Kompromisslosigkeit
als vereinbar mit einem Glauben an den christlichen Gott hinzustellen, der
wieder mal einen „gerechten“ Krieg legitimieren soll. Sind das die Geister,
die man einst rief und nun nicht mehr los wird, von denen Goethe in seinem
„Zauberlehrling“ gesprochen hat?
Was geschieht, wenn der Krieg im Irak „beendet“
ist? Bleibt man im derzeitigen Denkgerüst von George W. Bush, müsste er als
nächstes gegen Syrien losschlagen, ein Land, dass den internationalen
Terrorismus sehr viel stärker gefördert und unterstützt hat als der Irak. Was
ist mit dem Iran, mit Nordkorea, Libyen und anderen? Welche Bedeutung hat es
für Bush, dass die Mörder des 11. September überwiegend Saudi-Arabier waren?
Im Irakkonflikt geht es
nicht wirklich um Wahrheit und Gerechtigkeit. Es geht neben vielem anderem um
Öl, aber auch um Rechthaberei und Angst vor dem Verlust des eigenen
Machtanspruchs. Dieses Phänomen findet sich immer wieder in der vergleichsweise
noch jungen Geschichte der USA.
Das Ziel verantwortlicher
Politik, zumal wenn sie sich auf Gott beruft, kann jedoch nicht die billigende
und sinnlose Inkaufnahme von Gefährdung und Tötung unzähliger unschuldiger
Menschen sein. Das unterscheidet verantwortliche Politiker von skrupellosen
Terroristen. Die Verhinderung eines ungerechten Angriffskrieges, eines
Krieges überhaupt, ist das Gebot der Stunde. Wenn dieser Krieg von den USA demnächst
geführt werden sollte, löst er ein weltpolitisches Erdbeben aus, dessen unabsehbare
Folgen nicht nur die USA zu tragen haben, sondern die ganze Weltgemeinschaft.
Auch die Führung der USA kann heute nicht sagen, wie die Welt nach einem
solchen Krieg aussieht. Es werden keine Probleme gelöst, sondern neue
geschaffen.
Die katholische Kirche
lehnt einen solchen Präventivkrieg entschieden als unsittlich ab. Der
eingeschlagene Weg, den die UNO bisher gegangen ist, muss unbedingt und
konsequent weitergeführt werden. Wir wissen es doch: Durch Präventivkriege
lassen sich Bedrohung und feiger Terrorismus weder verhindern noch auslöschen.
Die deutschen Bischöfe
bitten deshalb in diesen Tagen: „Wir rufen alle Gläubigen auf, in diesen
Tagen und Wochen im Gebet für den Frieden nicht nachzulassen. Im Gebet wenden
wir uns an Christus, der die Friedensstifter selig gepriesen hat.“
Diakon Klaus-Dieter Pape
1/2003